BWL 4 Startups

Wissenswertes für Unternehmer

Was du von der Startup Weekend Leipzig lernen kannst - auch wenn du gar nicht dabei warst

Die Startup Weekend fand am vergangenen Wochenende zum ersten Mal in Leipzig statt. Dazu möchte ich hier ein paar Eindrücke und Erfahrungen teilen. Doch zunächst kurz was zum Aufbau und Ablauf.

Setting

  • etwa 60 Teilnehmer, gefühlt 60% Non-technical (meist BWL-Background), 25% Developer und 15% Designer
  • knapp 20 Ideen wurden vorgestellt, wobei 9 Ideen ausgewählt und bearbeitet wurden
  • Größe der Teams schwankte zwischen 4 und 8 Leuten + 1 Ein-Mann-Team
  • insgesamt etwa 15 Mentoren (Unternehmer, Juristen und aus dem Marketing)
  • 7 Jurymitglieder aus Wirtschaft und Unis
  • gutes Frühstück, Mittag und Abendbrot, reichlich Getränke

Ablauf

  1. Pitches

    Nach einer kurzen Einführung begannen die Pitches. Ein Pitch ist eine 60 Sekunden Präsentation (mit Timer!) ohne Folien deiner Geschäftsidee.

  2. Auswahl

    Anschließend wurden von den etwa 20 vorgestellten Ideen 9 ausgewählt. Dazu bekamen alle Teilnehmer (auch die Pitcher) 3 Stimmzettel, die frei vergeben werden durften.

  3. Gruppenfindung

    Sofern man nicht selbst eine Idee vorgestellt hat, schloss man sich einer an. Es war normal, dass sich Teams zeitweise umstrukturierten und Mitglieder wechselten. Die Geschäftsidee und mein Team darum hatten sich erst am Samstag ergeben.

  4. Arbeiten an der Idee

    Es ging darum ein MVP (minimal viable product) zu kreieren, um damit später das Produkt, Features und den Markt zu testen. Gearbeitet wurde an der Customer Validation (potenzielle Kunden interviewen), einem Business Model (Finanzierung, Kundengewinnung, realistische Gewinnkalkulation) und der Ausführung (Sketches oder Prototyp) – das waren auch die Bewertungskriterien der Jury. Dabei unterstützen dich Mentoren mit Tipps und machten dich auf Probleme aufmerksam. Programmiert wurde eher wenig.

  5. 5-minütige Abschlusspräsentation und Bewertung durch die Jury

    In 5 Minuten stellte jede Gruppe vor, woran die letzten 50 Stunden gearbeitet wurde. Im Anschluss hatte die Jury 3 Minuten Zeit für Fragen.

  6. Preise

    Software- und Coaching-Gutscheine für 1. bis 3. Platz, Publikumspreis, Preis für besten Pitch.

Mehr Infos und einen genauen Zeitplan findest du auf http://leipzig.startupweekend.org/#schedule

7 Dinge, die ich an dem Wochenende gelernt habe

Bei Community-Projekten ist ein unsicheres Geschäftsmodell nur eine Hürde

Interessant war ein Vortrag von Yoav Kutner, Gründer von Magento, der die Anfänge und Probleme eines erfolgreichen Startups aufzeigte. Kurz: Er hat als Softwarebude mit Auftragsentwicklung für Kunden aus dem eCommerce Bereich angefangen. Dabei sind sie auf das Problem eines fehlenden guten Onlineshops aufmerksam geworden. Um diese Idee wurde mithilfe eines Blogs eine Community von mehreren Tausend Leuten geschaffen, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wurde. Das Produkt wurde zunächst ohne Geschäftsmodell entwickelt und open-source zur Verfügung gestellt. Es hat mehrere Anläufe gebraucht, um ein funktionierendes Geschäftsmodell zu etablieren. Fehlgeschlagene Versuche waren u. a. Geld für Features und Geld für Bugfixes. Erfolgreich: Geld für Service um das Produkt herum, z. B.: Coaching und Hosting.

Erst das Problem, dann die Idee

Gelungen waren vor allem Pitches, die das Problem genau beschreiben konnten, welches gelöst werden soll. Als Unternehmer verkauft man keine Produkte, sondern eine Problemlösung.

Hier ein Ratschlag für einen guten 60-Sekunden Pitch von den Veranstaltern des Startup Weekends:

  • Wer du bist und woher du kommst (10 Sekunden)
  • Was ist das Problem, das du lösen möchtest (20 Sekunden)
  • Erklär die Idee, wie du das Problem lösen möchtest (20 Sekunden)
  • Was/Wen brauchst du? (10 Sekunden)

Erklär möglichst vielen Menschen dein Vorhaben

Menschen haben einen unterschiedlichen Background und eine gewisse Sicht auf die Dinge. Wenn du in einem Gespräch deine Geschäftsidee beschreibst, wirst du sehr schnell feststellen, welche Punkte unklar sind und wo Fragen auftreten. Das sind auch die Stellen, die potenzielle Kunden, Kapitalgeber oder Jury-Mitglieder abschrecken und an denen du arbeiten musst.

Auf den Mehrwert deiner Lösung kommt es an

Die zentrale Frage der Customer Validation ist: “Ist das Problem relevant genug, dass dir jemand für dein Produkt (die Lösung) Geld zahlt?” Und wenn ja, “Wie viel?” Einschub: Ich persönlich halte nicht viel von Kunden- und Gewinnkalkulation, die auf Marktbefragungen basieren, da ein “Ja, könnte ich mir gut vorstellen” und “Ich würde dafür bezahlen” noch weit entfernt von einer Kontonummer samt Einzugsermächtigung sind. Lediglich ein “Nein, würde ich nicht nutzen!” schafft Klarheit.

Fokus auf den kritischen Part der Umsetzung

Spannend fand ich vor allem das Feedback von anderen Entrepreneuren. Sie sagen dir oft die 5 Gründe, warum deine Idee scheitern könnte und worauf es bei der Umsetzung ankommt. Das kann bei kapitalintensiven Projekten die Finanzierung oder bei Community-Geschichten das möglichst schnelle Wachstum betreffen. Entscheidend dabei ist, dieser Hürde bewusst zu sein und den Fokus darauf zu legen. Vielleicht sogar einen Plan B, C und D dafür in der Schublade zu haben.

Zeig, was du besser machst

In Geschäftsbereichen mit Konkurrenz musst du die Frage beantworten können, die sich der Kunde auch stellen wird: “Warum kannst du das Problem besser lösen als deine Konkurrenz?” und vermittel deine Antwort.

Ein Wochenende genügt

Für viele Geschäftsideen reicht ein Wochenende bereits vollkommen aus, um aus den gewonnen Erkenntnissen einen Prototypen zu entwickeln, mit dem das Geschäftsmodell, die Features und das Produkt validiert werden können.

Fazit und so

Vielleicht hätte ich noch gern die Begründung der Jury gehört, warum die eine oder andere Idee bzw. Umsetzung nicht so gut abgeschnitten hat. Ansonsten ist an dem Konzept und der Umsetzung einer Startup Weekend nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Jeder angehende Existenzgründer sollte sie einmal mitgemacht haben. Gerade für diejenigen, die Unterstützung und Mitgründer suchen, ist diese Veranstaltung sehr zu empfehlen. Weniger eine Geschäftsidee, aber jede Menge Erfahrungen und Kontakte sind das, was ich mitgenommen habe.