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Wissenswertes für Unternehmer

Werkstudent oder Minijob? Fallstrick Monatslohn

Ein Student kann nicht zwangsläufig als Werkstudent abgerechnet werden. Diese Erfahrung habe ich leider in den letzten Tagen machen müssen.

Seit einiger Zeit werden für vinett-video Studenten beschäftigt, die als Werkstudenten abgerechnet werden. Werkstudenten sind grundsätzlich versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, soweit ihr Studium im Vordergrund steht, d. h. sie immatrikuliert sind, weniger als 20h/Woche arbeiten und sich nicht im Urlaubssemester befinden.

So weit, so gut.

Handelt es sich bei einem Arbeitsverhältnis allerdings um eine geringfügige Beschäftigung, gelten hier die Bestimmungen für Minijobs! (siehe Infoblatt Werkstudenten)

Was sind geringfügige Beschäftigungen (Minijobs)?

Um eine geringfügige Beschäftigung handelt es sich, wenn das monatliche Entgelt 450 Euro nicht übersteigt (geringfügig entlohnte Beschäftigung) oder diese nicht länger als 2 Monate bzw. 50 Arbeitstage (kurzfristige Beschäftigung) andauert.

Während kurzfristige Beschäftigungen grundsätzlich abgabenfrei sind, müssen für geringfügig entlohnte Beschäftigungen zusätzlich 30% (15% Rentenversicherung, 13% Krankenversicherung, 2% Lohnsteuerpauschale) des Lohns an die Minijob-Zentrale abgeführt werden, und zwar unabhängig davon, ob der Student unter den Werkstudentenstatus fällt oder nicht!

Lessons learned

Da unsere “Werkstudenten” regelmäßig unterhalb der 450 Euro verdienen, greifen die Minijob-Bestimmungen. Demzufolge sind sie nicht mehr versicherungsfrei und es wird die Pauschalabgabe in Höhe von 30% des Entgelts fällig. Erst über 450 Euro im Monat kann ein Student als Werkstudent abgerechnet werden. In dem Fall müssen nur 9,45% (Arbeitgeberanteil) in die Rentenversicherung eingezahlt werden, da wie erwähnt, Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung besteht.

Betriebswirtschaftliche Betrachtung

Sofern jemand auch als Werkstudent abgerechnet werden kann, d. h. die Bedingungen hierfür erfüllt sind, ist ein Monatslohn zwischen 380 und 450 Euro aus Unternehmersicht unrentabel. Hier ein Rechenbeispiel:

Minijob mit 380 Euro/Monat:

380 Euro (Monatslohn)
+ 30% = 114 Euro (Abgaben)
= 494 Euro (Kosten)

Werkstudent mit 451 Euro/Monat:

451 Euro (Monatslohn)
+ 9,45% = 42,62 Euro (Abgaben)
= 493,62 Euro (Kosten)

Ausgehend von der selben Stundenanzahl zahlt man als Unternehmer für einen 380 Euro Minijobber letztendlich genauso viel wie für einen 451 Euro Werkstudenten. Entweder erhöht man den Stundenlohn so weit, dass er als Werkstudent mit über 450 Euro nach Hause geht oder das dieser als Minijobber unterhalb der 380 Euro bleibt. Aus Sicht des Studenten ist ersteres natürlich besser bezahlt, was der Motivation zugute kommt.

Zum Vergleich: Erhält ein Student 450 Euro/Monat (Minijob) zahlt man gegenüber einem 1 Euro mehr bezahlten Werkstudenten knapp 90 Euro mehr an Abgaben.

Minijob mit 450 Euro/Monat:

450 Euro (Monatslohn)
+ 30% = 135 Euro (Abgaben)
= 585 Euro (Kosten)

Weiterhin lohnt es sich anstatt von zwei Minijobbern, die jeweils 10h in der Woche arbeiten, einen Werkstudenten einzustellen, der 20h in die Woche (maximal erlaubte Arbeitszeit) beschäftigt ist, sofern insgesamt über 380 Euro an Lohn gezahlt werden.

Noch ein paar Worte zur Rentenversicherungspflicht

Seit 2013 muss der geringfügig entlohnt Beschäftigte die Befreiung von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber beantragen (Antrag). Du als Arbeitgeber musst zwar trotzdem noch die pauschalen 15% an die Minijob-Zentrale abführen, der Arbeitnehmer bekommt allerdings die Differenz zum vollen Rentenversicherungsbetrag in Höhe von 18,9%, also 3,9% ausgezahlt.